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Das Genogramm als systemisches Tool

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Das Genogramm als systemisches Tool

Ein Genogramm ist ein hilfreiches Werkzeug, um komplexe Beziehungen innerhalb eines Familiensystems oder Teams visuell darzustellen. Es bietet nicht nur einen Überblick über die genetischen Verbindungen, sondern geht weit darüber hinaus, indem es emotionale, soziale und gesundheitliche Aspekte berücksichtigen kann. Diese umfassende Sichtweise ermöglicht es, tiefere Einsichten in die Dynamiken und Muster innerhalb einer Familie oder eines Teams zu gewinnen.

Durch die Darstellung von ungelösten Konflikten und internen Zielsetzungen können Klient*innen oder Teammitglieder ein besseres Verständnis für ihre eigenen Positionen und die ihrer Angehörigen oder Kolleg*innen entwickeln. Ein Genogramm kann somit als wertvolles Hilfsmittel dienen, um Herausforderungen zu identifizieren und Lösungen zu erarbeiten. Es fördert die Reflexion und das Bewusstsein für die eigenen Beziehungen und deren Einfluss auf das individuelle und kollektive Wohlbefinden.

Wie erarbeiten wir dein Genogramm?

Zunächst interessieren bei der Erstellung des Genogramms Fakten über dich. Gestartet wird mit der Frage, welche Personen zur Familie gehören. Nach dieser Information wird zu demografischen Daten übergegangen. Dazu gehört zum Beispiel der ethnische Hintergrund, Angaben zu Geburt und Sterbedaten, Wohnort und Ausbildungsstand. Sind alle Fakten gesammelt, geht es in die Detailarbeit. Es wird nach Beziehungen, Verbindungen, Bindungsqualität, Beruf und sonstigen Rahmenbedingungen gefragt. Dabei ist es wichtig, dass die Fragen, die gestellt werden, auf dein Anliegen abgestimmt sind. Die Fragen werden ressourcenorientiert formuliert. Dies fördert eine positive Sichtweise und würdigt die Erfolge und Stärken, die bereits vorhanden sind.

Im folgenden findest du ein paar Beispielfragen:

Fragen nach Geschwistern:

Durch die Frage nach Geschwistern, werden Positionen innerhalb einer Familie sehr einfach und prägnant verdeutlicht. Ist die Person, mit der das Genogramm erstellt wird, Erstgeborene? Gibt es lange zeitliche Abstände zwischen den Geschwistern? Gibt es Adoptivgeschwister oder Halbgeschwister? Gibt es verstorbene Geschwister?
Fragen nach Beziehung:
Welche Beziehungen wirken über Generationen? Gibt es viel Nähe innerhalb der Beziehungen? Wer in der Familie hat wenig Beziehungen? Wer wechselt häufig den*die Partner*in? Welche Rollen gibt es im Team? Wer versteht sich mit wem?
Fragen nach Werten:
Gibt es Glaubenssätze innerhalb der Familie? Hält sich die Familie an spezifische Wertvorstellungen? Gibt es eine Zielvision als Team?

Fragen nach Themen:

Welche Themen beschäftigen/ beschäftigten die Generationen? Gibt es Tabuthemen?

Fragen nach wichtigen Lebensabschnitten:

Welche Übergänge gab es zu meistern? Gab es gewollte/ ungewollte Wechsel? Welche Erfolge und Rückschläge hat die Familie oder das Team gemeistert?

Fragen nach (Familien-/ Team-) Mottos, Lebenseinstellungen:

Welche ungeschriebenen Regeln gab oder gibt es? Welche Haltung war oder ist prägend für Einzelpersonen, Paare oder Familien? Welche Einstellungen/ Haltungen gelten zum Beispiel in Krisen, bei Konflikten, Chancen, Entscheidungssituationen?
Fragen nach Geheimnissen:

Welche Themen blieben (stets) im Verborgenen? Von welchen Geheimnissen wissen nur einzelne Personen etwas? Wo werden weitere Geheimnisse vermutet?

Durch die Analyse der Antworten auf diese Fragen können Hypothesen entwickelt werden, die helfen, wiederkehrende Glaubenssätze oder Verhaltensmuster zu identifizieren. Dies ist ein wichtiger Schritt, um mehrgenerationale Probleme zu erkennen und gezielt Veränderungen anzustoßen. Es ist ein Prozess, der sowohl Einsicht als auch Heilung fördern kann und den*dem Klient*innen auf ihrem*seinen Weg zur persönlichen und gemeinschaftlichen Weiterentwicklung unterstützt.

Genogramme können dann beispielsweise als roter Faden in der Betrachtung sozialer Beziehungen und Bearbeitung von Problemen und Anliegen genutzt werden. Im Verlauf einer Beratung können kontinuierlich neue Erkenntnisse eingetragen, Entwicklungen vermerkt oder Veränderungen dokumentiert werden. Je nachdem, mit welcher Person und mit welchen Anliegen ein Genogramm betrachtet wird, werden ganz verschiedene Hypothesen aufgestellt.