Trennung und Trauer-
begleitung
Ein System verändert sich grundlegend, wenn eine Person stirbt oder durch eine Trennung ein (Familien-)System verlässt. Wie bei einem Mobile muss sich ein System erst wieder neu finden und sich in Balance bringen, wenn ein Teil fehlt. Dies ist ein Entwicklungsprozess dem vielen Überlegungen vorangehen: Welche Rolle habe ich nun inne? Welche neuen Funktionen muss oder kann ich übernehmen? Wie sehe ich mich jetzt? Welche Sinnkonzepte verfolge ich? Welche sozialen Kontakte sollen weiterhin Anteil an meinem Leben haben? Letztendlich hat eine Person, die Abschied nimmt, viele Dinge gleichzeitig zu bewältigen: Das Akzeptieren des Verlustes, den Trauerschmerz und den Trauerprozess zu erfahren und zuzulassen und gleichzeitig eine andere Art der Verbindung zur Person, die gegangen ist, zu finden, während gleichzeitig ein neues und anderes Leben vor der Tür steht.
Im Leben beschäftigen sich noch immer sehr wenig Menschen mit dem Thema Abschied und Tod. Warum eigentlich?
„Beschleunigte Abfolgen von Wunsch und Erfüllung als Grundlage von Glücksempfindung einerseits (Schopenhauer) und das Einfrieren in Idealzuständen von Alterslosigkeit, immerwährender Gesundheit und Schönheit andererseits sind Versuche, die immer wieder aus dem Un-und Vorbewussten aufdämmernde, erschütternde Ahnung von Endzeitlichkeit zu kontrollieren.“
(Reichenberg-Winter, Petra / Fischinger, Esther (2008): Kursbuch systemische Trauerbegleitung. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht GmbH & Co. KG.)

Gerade wenn nahestehende Personen dann sterben, ist die Frage, wie kann ich nun damit umgehen und was kann mir in meiner Trauer helfen. Hier hat sich die Erinnerungsarbeit als eine gute Methode gezeigt. Letztendlich ist es die Idee Bindungen nach dem Tod zu transformieren. Der Tod ist endgültig und nicht wandelbar. Der Trauerprozess ist aber gestaltbar. Denn der Wunsch ist vielleicht immer noch da Verbunden zu bleiben, über die Erinnerungen (Erinnerungsarbeit) und über die Beziehungsarbeit. Insbesondere der systemische Ansatz kann bei dem Thema Trennung und Trauerbegleitung unterstützend sein: Hier können zum Beispiel die systemische Strukturaufstellung für Trauernden oder die Arbeit mit dem Systembrett zum Einsatz kommen. Mittels einer Aufstellung von Holzfiguren, Personen, Symbolen oder „Bodenankern“ können Systeme innerhalb von Gruppen, Teams im Beruf sowie im inneren Team oder in Familie sichtbar und bewusst werden. Die Arbeit mit dem Systembrett ist eine wirkungsvolle Methode, um komplexe Beziehungszusammenhänge darzustellen und auf eine kreative Art und Weise damit weiterzuarbeiten. Das Systembrett und die Aufstellungsarbeit im Allgemeinen helfen, Probleme anders zu verstehen, Perspektivwechsel anzuregen und ressourcenorientierte Zielbilder unmittelbar zu entwickeln.
Auch die Arbeit mit Narrativen und Bildern kann in Trauerprozessen unterstützen. Fragen die dabei helfen können: Wie stelle ich mir die (verstorbene) Person jetzt vor? Wo ist sie gerade – an welchem Ort? Und was tut sie gerade?
Logischerweise ist jeder Abschiedsprozess sehr individuell. Jede Person verfügt jedoch über eigene Ressourcen, die er für sich nutzen kann um über schmerzvolle Erlebnisse hinwegzukommen. Gleichwohl bedarf es eben einem Raum, in dem Trauern überhaupt möglich ist. Denn trauern ist die Lösung, nicht das Problem. (https://chrispaul.de/trauerkaleidoskop/)




